Wagemut statt Perfektionismus – Wie komme ich in die Umsetzung?

„Im wirklichen Leben kommen oft nicht die Klugen, sondern die Kühnen voran.“

Oft glauben wir, Fachwissen sei alles. Wir glauben, wir müssten noch den einen oder anderen Kurs, diese und jene Weiterbildung belegen, bevor wir es uns erlauben, mit einem Projekt anzufangen oder eine Idee auszuprobieren. Das kann schnell zum Teufelskreis werden. Wir hangeln uns von einem Kurs zum nächsten und lesen noch 100 Bücher, ohne jemals in die Umsetzung zu kommen.

Um Missverständnisse auszuräumen, ich halte eine fundierte Ausbildung für absolut wichtig und durch nichts zu ersetzen. Aber: Hand aufs Herz – wie viel Wissen und Kurse braucht es WIRKLICH noch, um deine Idee umzusetzen? Kann es sein, dass deine Zweifel ein bisschen zu viel Mitspracherecht haben?

Wie oft hält dich Perfektionismus von der Umsetzung ab? Wie oft erstickt er schon jede Idee wieder im Keim? Steckt hinter dem Perfektionismus die Angst vorm Versagen und der Kritik oder Ablehnung anderer?

Den Mut haben zu wagen

Kleine Übung – schick die Angst kurz raus zum Spielen, oder auf die Hundedecke – was dir lieber ist. Es muss ja nicht lang sein, sie darf danach wieder zurückkommen.

Erster Schritt: Mache dir bewusst, dass du der Herr über deine Emotionen bist. Gedanklich einen Schritt beiseite zu treten, Abstand zu nehmen und aus einer höheren Perspektive auf die Situation zu schauen, lässt uns Emotionen leichter identifizieren. „Angst zu haben“ ist nicht das Gleiche wie die Angst die Oberhand gewinnen zu lassen. Eine Emotion zu identifizieren und zu benennen, ist schon der erste Schritt aus ihr heraus. Oft hilft es auch, das Gefühlte kurz niederzuschreiben, um es greifbar zu machen.

Der zweite Schritt ist Annahme und Akzeptanz von dem, was ist. Emotionen und Gefühle da sein lassen, nicht wegdrücken, eine Angst bewusst zu fühlen, ohne sich mit ihr zu identifizieren, ist der Schlüssel, um sie loszulassen. Ängste wollen „gesehen“ werden, um losgelassen werden zu können.

Der dritte Schritt ist, sich zu fragen, was hinter der Angst und z.B. dem eigenen Perfektions-Anspruch stecken. Welche versteckte Botschaft halten die Angst vorm Versagen und die Angst vor der Ablehnung bereit, die im Perfektionsdenken mitschwingen?

Sich von der Meinung anderer befreien

An diesem Punkt ist es Zeit für einen weiteren Schritt in Richtung Unabhängigkeit, für einen weiteren Schritt in Richtung Selbst-Wertschätzung. Ein Schlüsselpunkt ist, die eigene Meinung und Beurteilung, sowie die Meinung dritter zu relativieren. Die Über-Mutter und den Über-Vater (Oder der sollten wir ihn besser „Über-Kritiker“ nennen?), die uns sagen, was gut und schlecht ist, wieder ein Stück mehr loszulassen. Es ist ein Schritt in Richtung Befreiung. Die Bereitschaft dazu in dieses unbekannte Terrain vorzustoßen und den eigenen Fähigkeiten zu vertrauen, erfordert Mut, denn wir wissen nicht genau, was uns dort erwartet. Das Ausdehnen der eigenen Komfortzone ist immer auch ein Vorstoß ins Unbekannte.

Außerdem helfen die Fragen „Wie sehen die Alternativen aus?“ und „Was passiert im schlimmsten Fall?“. Szenarien im Kopf durchzuspielen kann uns helfen, die Dinge an den richtigen Platz zu rücken. Wir schaffen es so, Ängste, Zweifel und Bedenken zu relativieren und zu entschärfen.

Nach diesem Bewusstwerdungs-Prozess ist es Zeit sich zu fragen: Bist du bereit, dein Projekt zu beginnen? Weißt du genug, um zumindest einen Anfang, die ersten Schritte, zu wagen?

Jede Umsetzung beginnt mit dem ersten Schritt

Mache dir bitte klar, dass du nicht bereits das ganze Projekt fix und fertig eingetütet vor dir sehen musst. Ein Startpunkt reicht. Erlaube dir, von diesem Startpunkt aus loszugehen, einen Schritt nach dem anderen. Erlaube dir, von hier ab weiter dazuzulernen. Vertraue darauf, dass Wissen, welches dir jetzt vielleicht an einem bestimmten Punkt noch fehlen sollte, zum richtigen Zeitpunkt verfügbar sein, damit du es in dein Projekt integrieren kannst.

Perfektionismus hat kein Potenzial zur Entwicklung

Mache dir klar, „perfekt“ heißt „abgeschlossen, fertig, tot“ – etwas perfekt machen zu wollen, bedeutet also, keinen Raum für Entwicklung zu lassen. Nichts ist perfekt, alles kann jederzeit verändert und (vermeintlich) verbessert werden. Alles ist in ständiger Veränderung. Oder bist du noch der gleiche Mensch, wie vor einem Jahr?

Fehler als Helfer

Erlaube dir, FEHLER als wertvolle HELFER zu sehen. Verbünde dich mit den vermeintlichen Fehlern. Unsere frühen Kindheitsprogrammierungen verbieten uns diese Sichtweise oft, da wir durch Erziehung und Schule darauf trainiert sind, Fehler zu vermeiden. Tausende Male in unserem Leben wurden sie sanktioniert, mit dem Rotstift markiert. Dabei haben wir als Kleinkinder ständig durch Fehler gelernt. Mehr noch, wir wurden sogar ermutigt, immer wieder aufzustehen, wenn wir beim Laufen-Lernen hingefallen sind.
Sobald wir uns wieder erlauben aus Fehlern zu lernen, sie als willkommene Helfer zu integrieren, verlieren sie ihren negativen Status und bringen uns Schritt für Schritt voran.

Dranbleiben

Es ist genau dieser Spannungsbogen zwischen einem Halt finden im Kontakt mit den Mitmenschen und dem Austesten der Freiheit, die uns das Potenzial zur Selbstverwirklichung schenkt. Sich liebevoll aus den Kontakten (und damit Meinungen und Bewertungen anderer) zu lösen, um seine eigenen Ziele zu verwirklichen, ist steter Prozess der Entwicklung. Immer wieder den Mut zur Umsetzung der eigenen Ideen zu haben und dranzubleiben, setzt voraus, dass Wertschätzung und Vertrauen im eigenen Umfeld gelebt werden. Sich selbst und seine Fähigkeiten wertzuschätzen, sowie unterstützende Menschen an seiner Seite zu wissen, erlaubt uns, mehr und mehr in die Umsetzung zu kommen.

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