Ich möchte immer mehr wahrnehmen…

Ich möchte immer mehr wahrnehmen.
Alles ist wunderbar für offene Augen.

Für alles danken.
So meidet man die Bitterkeit.

Verzeihen, ohne Aufheben davon zu machen.
So gibt man immer mehr Raum.

Immer weniger mit Gewalt tun
und immer mehr durch Freundlichkeit und Geduld.

Immer weniger hassen und ablehnen.
Sich an immer mehr mitfreuen.

Die Dinge, die ich besitze, weniger wichtig nehmen.
Wichtig ist ja nur, was ich mit ihnen tue.

Die Dinge, die für die Jungen wichtig sind,
aufgeben mit leiser Selbstverständlichkeit.

Prinzipien sind unwichtig.
Im Ernstfall genügt in wenig Barmherzigkeit.

Am Ende immer weniger fordern
und immer weniger verweigern.

Das könnten solche Ziele sein.

Oder diese:

Die Jungen nicht beneiden,
sondern ihnen beistehen.
Auch für sie ist das Leben schwer genug.

Möglichst von nichts wünschen, dass es vorbei sei.
Das Leben kommt nicht später. Es ist jetzt.

Von nichts wünschen, dass es zurückkommt.
Es ist gewesen und nur seine Spuren sind wichtig.

Auf die Uhr achten, die in uns läuft.
Sie weiß, wann unsere Aufgaben erfüllt sind.

Den Rhythmus von Seele und Leib finden,
der am meisten Raum lässt für die Stille.

Jeden Tag nach dem Menschen fragen,
der unser jetzt am meisten bedarf.

Sich immer weniger wichtig nehmen.
Man empfängt viel mehr, als man gibt.

Und was man ist, ist man viel weniger
durch eigenes Zutun als durch andere geworden.

Am Ende geht es um Einsicht und Liebeskraft,
denn es fehlt der Welt nicht an den Tätern.

Jörg Zink, aus „Dein Geburtstag sei ein Fest“, 1997, Kreuz Verlag Stuttgart

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